Heinz Butz
Ein stiller Avantgardist in Oberbayern

23. November 2025 bis 3. Mai 2026

Bei dieser Ausstellung handelt es sich um eine kleine, aber bedeutsame Retrospektive, eine Rückschau auf ein beeindruckendes Lebenswerk. Sie ist dem Maler Heinz Butz gewidmet, der im Dezember 2025 seinen 100. Geburtstag gefeiert hätte und der sein Leben als Künstler größtenteils in Oberbayern verbrachte. Weit über die Region hinaus gehört Butz zu den herausragenden Künstlerpersönlichkeiten der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts und das, obwohl er stets zurückhaltender war als andere seiner Zeitgenossen. In der Literatur wird er jedenfalls in Beziehung gesetzt zu einigen der größten Namen in der Kunst des 19. und 20. Jahrhunderts, darunter Vincent van Gogh, Kasimir Malewitsch, Robert Delaunay, Josef Albers, Ellsworth Kelly, Hans Arp, Walter Gropius und Blinky Palermo. 

Diese erste umfassende museale Einzelausstellung zum Werk von Heinz Butz ehrt den Künstler postum – er verstarb 2022 im Alter von 96 Jahren. 

Ermöglicht wurde die Ausstellung durch Leihgaben aus dem Nachlass des Künstlers; der Sammlung Werner Asam, Aichach; der Galerie Jahn & Jahn, München; der Sammlung Markus Michalke, München und Jan Schmid, München. Gefördert vom Freundeskreis Museum Starnberger See.

Was macht dieses Lebenswerk so bedeutsam? 

Heinz Butz war weder Malerfürst noch Revolutionär, sondern ein stiller Avantgardist, der konzentriert weiterentwickelte, was er in der Vergangenheit und in seiner Lebenswelt vorfand. Dabei strebte er nach Genauigkeit und Feingefühl statt nach Umsturz oder Glanz. Sein künstlerischer Ausdruck war leise und doch voller Kraft und Selbstbewusstsein. Oft schien er seiner Zeit voraus, gerade weil er abseits der Stile und Bewegungen seiner Epoche arbeitete. So fand und ging er einen eigenen Weg und erschuf einen ebenso verwobenen wie offenen Werkkosmos, der wichtige Entwicklungen der Kunstgeschichte vorbreitete, weiterführte oder gar vorwegnahm.

Alle Kunst kommt – ganz besonders bei Butz – aus dem Leben und Erleben. Er selbst hat diese Verbindung sehr prägnant mit den Worten formuliert: „Pflanzen brauchen Erde“. Es braucht also einen Blick auf die Biografie, aus der seine Kunst gewachsen ist. Im Dezember 1925 im schwäbischen Dillingen geboren, wurde Butz mit gerade 18 Jahren in den Zweiten Weltkrieg geworfen. Er erlebte die Grausamkeit des Krieges und dessen Ende an der Ostfront, geriet in sowjetische Gefangenschaft und in ein Arbeitslager. Ein Jahr später kehrte er nach Deutschland zurück. 

Um seinen Erfahrungen in Faschismus, Krieg und Gefangenschaft etwas entgegenzusetzen, wandte er sich der Natur und der Kunst zu. Er studierte an der Kunstschule Augsburg und an der Akademie der Bildenden Künste in München. An beide kehrte er später als Lehrer zurück. Mit Leidenschaft und Konzentration erschloss sich Butz Zeichnung und Malerei. Unzählige Skizzenbücher füllte er mit Naturstudien, übte sich an der Wiedergabe des Sehens und Empfindens. In seinen ersten Gemälden erprobte der Künstler um 1950 dieses für ihn neue und doch bereits Jahrhunderte alte Feld. Zehn Jahre später war seine künstlerische Sprache ausgereift und Butz entwickelte für sich eine eigene, formal strenge und zugleich offene Malerei aus den Grundelementen Linie, Form und Farbe. Damit hatte er das Zentrum seines künstlerischen Ausdrucks gesetzt und begann auf heitere und fantasievolle Weise, dessen Möglichkeiten zu erforschen. In den folgenden Jahrzehnten erschuf Butz auf diese Weise einen Werkkosmos, der sich mühelos jeder Einordnung widersetzt. Dazu gehören Bilder auf Leinwand ebenso wie als sogenannte Bildobjekte freigestellte Formen im Raum oder schließlich Skulpturen aus Fundstücken. Gemeinsam ist ihnen, dass sie uns unmittelbar gegenüberstehen, nicht als gegenständliches Abbild, sondern als abstrakte Form, als energiegeladenes Objekt – und dann doch zugleich als Bild mit einer Komposition, einer Harmonie und Spannung, vielleicht sogar einem Motiv. In dieser feinen Balance von Kräften liegt die Meisterschaft von Heinz Butz, dem es gelang, sein waches und sensibles Empfinden tatsächlich in Werke umzusetzen und mit diesen wiederum Empfinden zu erzeugen, ganz ohne den Umweg über das erkennbare Abbild. Ein Bild ist bei ihm nicht mehr nur Vermittler eines Sinns oder Inhalts, es ist selbst der Sinn und Inhalt seiner Kunst.

Diese Ausstellung besteht aus zwei Teilen. Im Erdgeschoss wird das Lebenswerk des Künstlers einführend vorgestellt. Im Untergeschoß ist der Kosmos aus Bezügen zwischen einzelnen Werken herausgestellt.