Häuser und Bilder
Rupprecht Geiger als Architekt und Maler

11. Oktober 2026 bis 4. April 2027

Rupprecht Geiger ist einer der bedeutendsten deutschen Künstler nach 1945. Sein malerisches Werk ist geprägt von einer ebenso sensiblen wie berauschenden Farbigkeit und einer kompromisslosen künstlerischen Programmatik. Der Ursprung von Geigers Kunst ist die Energie von Licht und Farbe. Sie war für ihn Rettung im Grauen des Krieges, den er als junger Soldat an der Ostfront erlebte, und Aufbruch in eine neue Bildsprache nach dem Faschismus. Weniger bekannt ist die Bedeutung der Baukunst für den Künstler, der auch ausgebildeter und praktizierender Architekt war. Früh war er geprägt durch die Kunst des Vaters Willi Geiger, später auch durch dessen 1930 erworbenes Bauernhaus „Bax“ am Chiemsee. Das Gebäude aus dem 16 Jahrhundert wurde zum Rückzugsort für die Familie, zum Treffpunkt für den weiten Freundeskreis und zur „Insel des freien Diskurses“ während der Zeit des Nationalsozialismus. 

Ab Mitte der 1920er Jahre studierte Geiger Architektur in München, u.a. bei Eduard Pfeiffer, dessen klares Formverständnis sich auch in frühen Zeichnungen Geigers eines Konvents bei Trevi wiederfindet. Bis zu seiner Einberufung zum Kriegsdienst arbeitete er bei verschiedenen Architekturbüros unter anderem beim renommierten Oswald Eduard Bieber, dessen Tochter Monika Bieber, später ebenfalls Architektin, er kennenlernte und mit ihr in eine lebenslange Partnerschaft und Ehe eintrat.

Aus dem Krieg kehrte er als Maler zurück ins zerstörte München. Hier ereignete sich ein farbintensives Erweckungserlebnis, das ihn, seiner eigenen Erzählung nach, auf den Weg der reinen Farbwirkung als erneuernde Kraft nach der völligen Zerstörung führte. Doch auch als Architekt wirkte er am gesellschaftlichen Wiederaufbau und dem Entwurf einer Moderne nach dem Faschismus mit. Unaufgeregt zeitlos, fast zurückhaltend und ganz ohne den radikalen Aufbruch, der sein bildnerisches Schaffen prägt, entwarf und baute Geiger Häuser, unter anderem am Starnberger See und in der unmittelbaren Region. 

In der Ausstellung werden fünf Bauten exemplarisch vorgestellt. Sie entstanden in den Jahren 1950 bis 1962, bevor Geiger die Architektur aufgab und sich gänzlich der bildenden Kunst widmete. Die Häuser sind in Fotos, Dokumenten und, wo vorhanden, auch originalen Bauplänen präsentiert. Begleitet werden sie jeweils von Gemälden, die in der Planungs- und Bauzeit der Häuser entstanden oder in einem Fall in die weitere Entwicklung vorausblicken. So ergibt sich eine bisher unentdeckte Parallelansicht von zwei Kunstformen desselben Künstlers, die sich noch dazu ganz unterschiedlich entwickeln. Ab Mitte der 1960er Jahre widmete sich Geiger schließlich ganz der Malerei, wurde 1965 Professor an der Kunstakademie Düsseldorf und erhielt ab den 1970er Jahren große museale Retrospektiven. Er starb 2009 im Alter von 101 Jahren in München. Sein Nachlass wird vom Archiv Geiger in München gepflegt.

Die Ausstellung entstand in Zusammenarbeit des Museum Starnberger See mit dem Archiv Geiger, geleitet von Julia Geiger, der Enkelin des Künstlers. Sie wurde ermöglicht durch die finanzielle Unterstützung des Freundeskreis Museum Starnberger See, der Curt-Wills-Stiftung sowie von Dr. Isabella Grahsl und Dr. Christian B. Fulda.